Aus der Reihe "Bauphysik für jedermann" sind
Teil 1 und
Teil 2 gut
bekannt. Hier werden Grundbegriffe schön einfach erklärt und zahlreiche
Beispiele aufgeführt. Teil 3 befasst sich mit der Feuchte in der Raumluft
und deren schädlicher Auswirkung bei Kondensatbildung. Kondensat ist eine
wichtige Voraussetzung für Schimmelpilzbildung.
Unsere Luft ist ein Gasgemisch, sie besteht zu 78% aus Stickstoff, 21%
Sauerstoff und 1 % Argon, wenn man die Volumenanteile betrachtet. Masse
bezogen sind es rd. 75% Stickstoff (N2) und 23%
Sauerstoff (O2). Luft ist nicht sonderlich schwer,
die Luftdichte beträgt unter Normalbdingungen 1,293 kg/m3. Luft
enthält zahlreiche Spurengase.
Luft enthält auch Wasser. In unserer Raumluft ist das Wasser (H2O) in Form
von Wasserdampf enthalten. Je nach Gehalt unterscheiden wir trockene und
feuchte Luft. Jeder kennt den Unterscheid zwischen trockner, knackiger
Winterluft und dem feucht-warmen Tropenklima in einem Gewächshaus.
Für die weitere Betrachtung nehmen wir einen Referenzraum, der die
Abmessungen B x T x H = 4 x 6 x 3 m haben soll. Das sind dann 24 qm
Grundfläche und 72 cbm Rauminhalt. Die Wandflächen betragen 60 qm und die
Hüllflächen insgesamt 108 qm.

Bild 1 und 2: ein Schlafzimmer als Beispiel und die Geometrie des Kubus'
Unser Referenzraum sei ein Schlafzimmer, weil Schimmel im Schlafzimmer ein
weit verbreitetes Problem ist, wie der
Sachverständige der Haus-Klinik®
aus seiner gutachterlichen Praxis bestätigen kann..

|
q [°C] |
12,00 |
14,00 |
15,00 |
16,00 |
17,00 |
18,00 |
19,00 |
20,00 |
21,00 |
22,00 |
23,00 |
24,00 |
|
cs [g/m³] |
10,70 |
12,10 |
12,80 |
13,70 |
14,50 |
15,40 |
16,30 |
17,30 |
18,30 |
19,40 |
20,60 |
21,80 |
Tabelle 1 und Bild 3: Wasserdampf-Sättigungsdichte als
Funktion der Temperatur
"Wasserdampf-Sättigungsdichte als Funktion der Temperatur" bedeutet, je
wärmer die Raumluft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Diese
Wassermenge befindet sich, schwebend und unsichtbar, als Wasserdampf in
der Luft.
Rechenbeispiel: der Referenzraum hat ein Raumvolumen von 72 cbm Luft. Bei
24°C befinden sich etwas über 1,5 Liter Wasser in der Luft. Rechenweg: 72
x 21,8 g/m³ (bei 24°C) = 1.569,6 g. Diese 1,5 kg Wasser sind wegen der
Dichte von Wasser mit fast genau 1,0 die genannten 1,5 Liter.
Damit Sie sich eine Vorstellung von der Wassermenge machen können,
empfiehlt sich ein einfaches Element. Vater spendiert drei Bier á 0,5 l
und die werden auf dem Wohnzimmertisch ausgekippt. Das Ergebnis: die Menge
ist beachtlich und Mutter reagiert entsprechend. Alternativ stellt man
sich die drei Flaschen Bier auf den Tisch und versucht sich vorzustellen,
dass eben diese Menge als Bierdampf in der Raumluft schwebt. Das Ganze
funktioniert übrigens auch mit Mineralwasser.
Rechenbeispiel: in einem sparsamen Haushalt betrage die Raumlufttemperatur
nur 18°C. Dann sind es schon fast 0,5 l Wasser weniger, die die Raumluft
halten kann. Rechenweg: (72 x 21,8) - (72 x 15,4) = 1.569,6 - 1.108,8 =
460,8 g. das bedeutet, bei 6°C weniger Raumtemperatur ist es schon fast
ein halber Liter Wasser weniger, den die Luft maximal aufnehmen kann.
+18°C
+24°C
Bild 4: je wärmer die Raumluft, umso mehr Wasser kann sie aufnehmen
Kommen wir zurück auf den Begriff "Wasserdampf-Sättigungsdichte". was
bedeutet der? Wasserdampf ist oben bereits hinreichend erklärt:
dampfförmiges Wasser in der Luft. Dichte ist auch bekannt: je mehr in
einem Volumen drin ist, um so dichter ist die Sache. Beton ist dichter als
Watte, wer es nicht glaubt, der werfe bitte abwechselnd mit Betonwürfeln
und Wattebällchen vergleichbarer Größe. 1,5 Liter Wasser stellen eine
höhere Dichte dar, als wenn es nur 1 Liter ist, das Volumen ist ja jedes
Mal dasselbe.
Sättigung
kennen wir auch, das ist das Gefühl, das sich Sonntag Mittag nach der
zweiten Keule und dem vierten Klos einstellt: der Magen meldet, dass es
langsam reicht. Oder: Sie sind mit Kumpels in der Kneipe beim
Mineralwasser und irgendwann stellt sich eine gewisse Sättigung ein:
nichts geht mehr und alles, was über dieses Maß hinaus geht, läuft zu den
Ohren wieder raus.
Das mit dem Mineralwasser in der Kneipe müssen Sie nicht glauben, aber zum
Begriff des Sättigungsmaßes können Sie sich bestimmt nun ein Bild machen.
Der Luft geht es ähnlich: sie kann bei einer Temperatur x eine Menge
Wasser aufnehmen, bis sie gesättigt ist. Was aber macht die Luft mit dem
Wasser, was über dieses Maß hinaus geht? Sie gibt es ab, weil sie ja nicht
über das Maximum hinaus Wasser als Dampf halten kann.
Und wie gibt die Luft das überschüssige Wasser ab? Sie lässt das Wasser
kondensieren, das geschieht an allen Oberflächen, die mit Ihrer
Oberflächentemperatur unter der Taupunkttemperatur liegen. Dazu bedarf es
natürlich keiner 100% Luftfeuchte.
Bekanntlich
liegt das Optimum der Luftfeuchte bei 50%. Prozent bedeutet "vom Hundert"
bzw. "je Einhundert". 50% ist die Hälfte. Die Hälfte wovon? Eine
Prozentangabe ist doch immer relativ. Es wird ja auch die relative
Luftfeuchte angegeben. 50% bedeutet, die Luft enthält 50% der Wassermenge,
die sie bei der Temperatur X maximal aufnehmen kann.
Eine Angabe der rel. LF mit 50% ist daher ungenügend. Man muss immer dazu
angeben, bei welcher Temperatur. Je nach Höhe der Raumlufttemperatur
können 50% viel oder wenig sein. Gemessen wird die Luftfeuchte mit dem
Hygrometer, welches es in verschiedenen Ausführungen gibt. Wichtig ist nur,
dass es halbwegs genau anzeigt.
Rechenbeispiel: der Referenzraum hat ein Raumvolumen von 72 cbm Luft. Bei
24°C können maximal sich etwas über 1,5 Liter Wasser in der Luft befinden.
Rechenweg: 72 x 21,8 g/m³ (bei 24°C) = 1.569,6 g. Diese 1,57 l Wasser
entsprechen bei den gegebenen 24°C einer rel. LF von 100%. Nehmen wir nun
das Anzeigebeispiel des Hygrometers: 75% ca. Das sind bei unseren 24°C 75%
der Wassermenge von 1.569,6 g und somit 1.177,2 g. Jetzt wissen wir, wie
viel Wasser in der Raumluft enthalten ist und nicht nur, wie viel maximal
darin enthalten sein könnte.
Rechenbeispiel:
derselbe Raum mit 72 cbm, abgelesen werden 50% rel. LF bei 24°C.
Rechenweg: 72 x 21,8 x 0,5 = 784,8 g Wasser.
Rechenbeispiel: derselbe Raum mit 72 cbm, abgelesen werden 50% rel. LF bei
18°C.
Rechenweg: 72 x 15,4 x 0,5 = 554,4 g Wasser.
50% rel. LF bei 18°C sind demnach 230 g Wasser weniger in der Luft als bei
50% rel. LF bei 24°C. Logisch, denn wir wissen, dass die aufnehmbare
Wassermenge von der Temperatur abhängt. Logisch ist ebenso, dass 75% rel.
LF bei 24°C mehr Wassergehalt der Luft bedeutet als 50% rel. LF bei 24°C,
denn 1.180 g sind nun mal mehr als 785 g und dass 75% mehr sind als 50%
weiß man auch, wenn von Bauphysik noch nie etwas gehört hat..
Diese Rechenbeispiel lassen sich beliebig fortführen, ohne dass neue
Erkenntnisse dazu kommen. Als Eselsbrücke soll der vergleich zwischen
Tropenhaus (28°C, 90% rel. LF) und Gefrierzelle (-20°C, rel. LF
35%)genügen.
Neben
den Beispielen haben wir erfahren, dass die Luft überschüssiges Wasser
abgibt. 100% rel. LF können nicht überschritten werden, ab da kann die
Luft das Wasser nicht mehr halten. Sie gibt Wasser durch Kondensation ab.
Kondensation bedeutet: es gibt Flächen, die kühl genug sind, dass sich
darauf Tauwasser bildet.
Wolken sind kondensierter Wasserdampf: die Luftfeuchte steigt an und an
den so genannten Kondensationskeimen (z.B. Staubkörnchen, die tonnenweise
die Sahara verlassen) kommt es zur Tröpfchenbildung. Millionen dieser
Tröpfchen ergeben die Wolken und wenn sie schwer genug sind, fängt es an
zu regnen.
Natürlich haben wir in der Wohnung keine Wolken, dafür aber reichlich
Flächen, an denen sich Tauwasser niederschlagen kann. Diese Flächen müssen
nur kühl genug sein. Kühl genug bedeutet, in Abhängigkeit von der
Raumtemperatur und der relativen Luftfeuchte gibt es eine Grenztemperatur,
bei deren Unterschreitung es zu Tauwasserbildung kommt. Diese
Grenztemperaturen werden in der so genannten Taupunkttemperaturtabelle
angegeben.

Tabelle 2: die Taupunkttabelle, ergänzt um die Werte der
Wasserdampf-Sättigungsdichte (bei 100% rel. LF)
Vor dieser Tabelle muss niemand in Ehrfurcht erstarren, die ist ganz
einfach. Oben liest man die Temperatur ab. Damit die Tabelle nicht unnötig
groß wird, enthält sie hier nur einen bestimmten Ausschnitt. Der Bereich
von 12°C bis 24°C soll genügen, um die üblichen Raumtemperaturen in der
Wohnung zu kennzeichnen.
Beispiel: Sie befinden sich im Badezimmer, die Raumtemperatur beträgt 22°C
und die rel. LF 50%. Da Sie baden wollen, drehen sie den Wasserhahn auf
und dampfendes Warrmwasser strömt in die Badewanne. Die rel. LF steigt an,
weil die Luft Wasser aufnimmt. Sie steigt auf 75% an.

Gehen Sie in die Tabelle. Oben in der gelben Leiste wird die 22 gesucht,
das ist die Raumtemperatur im Bad. In der Spalte gehen Sie nun
runter und lesen im Kreuzungspunkt mit der Zeile für 75% (blaue Spalte
links) einen Wert ab: 17,41°C. Das bedeutet: auf allen Flächen, die kälter
als 17,41°C sind, bildet sich bei 22°C und 75% rel. LF Tauwasser.
Steigt die rel. LF gar auf 90%, beträgt bei 22°C die Taupunkttemperatur
bereits 20,28°C. Das bedeutet: auf allen Flächen, die kälter als 20,28°C
sind, bildet sich bei 22°C und 75% rel. LF Tauwasser. Der Unterschied von
20,28°C zu den 22°C Raumlufttemperatur ist geringer - jetzt sind es
1,72°C, bei rel. LF = 50% waren es noch 4,59°C. Das ist der Grund dafür,
warum beim Duschen oder baden der Spiegel beschlägt, das sind die
Wassertröpfchen des Kondensats.
Kondenswasser bildet sich unabhängig von der Oberflächenbeschaffenheit,
entscheidend ist die Taupunkttemperatur. Beim Spiegel oder am Wasserhahn
(im Fachjargon: Einhebelhandmischbatterie) sieht man es, bei den Wand- und
Deckenflächen, die saugen können, dagegen nicht. Saugen bedeutet, Wasser
wird kapillar aufgenommen und nach innen weg geleitet. Wer sich unter
kapillarem Transport nichts vorstellen kann, der halte bitte ein Stück
Würfelzucker in eine Tasse Kaffee.
Saugende Oberflächen sind Innenputz, Tapeten, Farben, Holzteile. Dort kann
durch Tauwasserbildung die Oberflächenfeuchte (im Bauphysik Fachjargon:
das Feuchtepotenzial) derart ansteigen, dass ideale Voraussetzungen für den
Schimmelpilz entstehen: die Sporen siedeln sich an, Myzel wird
ausgebildet, Kondenswasser liefert Nachschub und genug Nahrung ist auch
da: alles Organische (Silikon, Tapetenkleister, Zellulose, ...).
Wenn
also die Tür zum Schlafzimmer und die Badtür offen stehen, muss sich
niemand wundern, wenn sich im relativ kühlen Schlafzimmer
Schimmel bildet.
Die feuchte warme Luft bewegt sich konvektiv vom bad ins Schlafzimmer,
weil es dort kälter ist und weil dort die Luft trockener ist. Dieses
Temperaturgefälle und Feuchtegefälle (Dampfdruckgefälle) ist der Antrieb
dafür, dass sich die Luft genau in diese Richtung bewegt.
Jetzt kommen die feuchten Luftschwaden im Schlafzimmer an, wo es nur 16°C
sind. Was passiert? Richtig, die rel. LF steigt bedrohlich an. Mit
ansteigender rel. LF steigt die Taupunkttemperatur. Die Außenwand ist
nicht viel wärmer im Schlafzimmer, weil ja der Heizkörper aus bleibt. Im
Eck- und im Sockelbereich gibt es Stellen, die unter der kritischen
Temperatur von 12,66°c liegen. Hier kommt es zu Schimmelpilzbildung.
Zwangsläufig.
In diesem Fall würde es schon genügen, ganz einfach die Türen geschlossen
zu halten und im Bad nach dem Baden oder duschen ordentlich zu lüften. Das
Schlafzimmer darf schon etwas kühler sein, aber auch hier gilt:
ausreichend Lüften, ggf. hin und wieder unterstützen durch Aufheizen,
damit die warme Luft die in den Oberflächen gespeicherte Luft aufnehmen
kann.
Berlin, 14.03.2009
Clipart: Microsoft Corp.
Tabellen: DIMaGB
Grafik: DIMaGB
- wird fortgesetzt -
Querverweis:
:: Die Taupunkttabelle
mit Beispielen, Tabellen, Grafiken, Berechnungen
weiter zu:
Bauphysik für jedermann - Teil 4
Der Schrank und die Bauphysik
(Luftfeuchte, Taupunkt, Kondensat, Schimmel, Lösungen)
4.1 Theorie: ein Rechenbeispiel
4.2 Praxis: ein Mess- und Beratungs-Beispiel
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weiterführend: Gutachten zu Schimmel
| Lösungen gegen Schimmel
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